In Bangalore angekommen, habe ich dann endlich das Hauptquartier des CCCYC kennen gelernt. Es war sehr hilfreich, die Verantwortlichen dort  zu treffen, Probleme zu besprechen und Perspektiven zu entwickeln, die uns allen weiterhelfen.

Mit der Hilfe eines jungen indischen Zahnarztes, Dr. Sam Shadrack, werden wir nun vor Ort eine hervorragende Betreuung haben. Er wird dafür sorgen, dass die Stationen funktionieren, wenn wir aus Deutschland anreisen, um unsere kostbare Zeit helfend einzusetzen.

Auch hatte ich Gelegenheit, das Mädchenheim und Schule mit Berufsausbildung „Shishu Mandir“ zu besuchen. Diese Institution wurde vor 2o Jahren von einer Ärztin aus M´gladbach gegründet. Ein großes Lob für diese Initiative, die für viele Kinder eine Perspektive ist, vor allem durch die Berufsausbildung (mit Schwerpunkt englische Sprache).

In Mysore besuchten dann Dr. Sam und ich das CSI Hospital. Wir wurden vom Klinikchef (am Sonntag!) empfangen und unser Anliegen sehr wohlwollend besprochen.

Dort sind zwei örtliche „Dental Schools“, die ihre Studenten, die praktischen Erfahrungen in der Zahnstation dieses Krankenhauses machen lassen.

Beim Rundgang durch das Krankenhaus fiel mir auf, dass ich einen derart gepflegten, sauberen Zustand in Indien kaum zu Gesicht bekommen hatte. Die Gebäude, in denen zwei zahnärztliche Einrichtungen montiert sind, liegen etwas außerhalb des eigentlichen Klinikbereiches, also ideal für unsere Pläne. Die Einheiten sind in einem sauberen, aber „erbärmlichen“ Zustand.

Wenn die Geschäftsbedingungen mit den „Dental Schools“ verhandelt sind, können wir auch dort neu durchstarten.

Nachdem damit mein „offizieller“ Teil beendet war, konnte ich endlich nach Neyyoor fliegen, um in meiner „Lieblingsstation“ zu behandeln.

Neyyoor

Es war schon ein gutes Gefühl, bekannten Boden zu betreten, als ich auf das Gelände des Polioheimes fuhr, in dem ich auch untergebracht war.

Dennoch war etwas anders. Es stellte sich sehr bald heraus, dass dieses Heim nur noch von einem Drittel der Anzahl der Insassen bewohnt wurde, die bei meinem letzten Einsatz vor fünf Jahren noch dort waren.

Eigentlich ist dies ja ein wunderbarer Erfolg der Impfungen gegen die Kinderlähmung, aber ich kam mir etwas einsam vor. Somit machte alles einen sehr verwaisten Eindruck. Einige Bereiche waren schon abgeschlossen und außer Funktion. Hier sind neue Konzepte gefragt. Dies werde ich mit der KNH klären.

Der erste Einsatz war die Untersuchung der Heimkinder; die meisten mittlerweile gut versorgt. Die zu behandelnden Kinder wurden dann ins Krankenhaus nach Neyyoor geschickt.

Durch den langen „offiziellen“ Reiseteil hatte ich leider nur noch wenige Tage zur Verfügung, dort Kinder zu untersuchen und zu behandeln. Ich reiste zu Heimen und freute mich, dass die grundsätzliche Versorgung der Kinder in einem sehr guten Zustand ist.

Nachdem ich die Enttäuschung über meinen kleinen Einsatz mit dem Versprechen besänftigen konnte, dass in diesem Jahr noch ein Team von Zahnärzten kommen wird, wurde ich mit vielen guten Wünschen nach Deutschland entlassen.


Dr. Rainer Klesper