Neyyoor 2011

Hast nix vor, gehst mal eben für ein paar Wochen nach Indien – gesagt getan. Wohin und mit wem, welche Organisation? Ergibt sich.
So dachte ich zu Beginn des Jahres und so habe ich es umgesetzt: kurze Suche im Internet, zufälliger Hinweis auf „Zahnärzte für Indien“, keine lange Vororganisation, Visum besorgt, Proben eingepackt, Flug gebucht und Mitte März in Bangalore angekommen.
Wie heißt es so schön, Indien ist anders.  Bangalore erschien mir zwar noch sehr „westlich“, sehr christlich und eigentlich recht normal – für eine Stadt dieser Größe und in dieser östlichen Hemisphäre:  Herzliches Willkommen an Flughafen, lange Fahrt im wohlgeordneten Chaosverkehr, Schilderwalde und eine Mischung aus britischem Kolonialismus und selbstbewusstem Indien, waren die erste Eindrücke. Ein warmer Empfang durch Mr.  Arunkumar und sein Team vom CCCYC , erstes Essen im Restaurant (noch mit Messer und Gabel…), eine kurze Stadtbesichtigung, kurze Ruhepause, Abendessen und frühe Nachtruhe waren in der Müdigkeit des ersten Tages die ersten indischen Eindrücke.
Am nächsten Tag traf dann meine indische „Helferin“ und Mitarbeiterin, Friederike Heckel, ein. Abends erfolgte der Flug in den Süden, zum ersten Einsatzort. Vom Flughafen Trivandrum (eigentlich ein viel längerer Name: Thiruvananthapuram) ging es in dreistündiger Nachtfahrt nach Nagercoil – letzte größere Stadt vor der Südspitze, Kanyakumari. Hätten wir diese Strecke bei Tageslicht und ausgeschlafen als ersten indischen Straßeneindruck erlebt, wir wären nie wieder in ein Auto gestiegen…
In den nächsten drei Wochen befuhren wir Teile der Strecke fast täglich und gewöhnten uns schnell an die indische „Straßen-Verkehr-Ordnung“: Hupen, Hupen, Hupen, überholen, wann immer es geht, Rangordnung beachten (LKW/Bus vor Kleinlaster vor PKW vor Tuk-Tuk vor Motorrad vor Fahrrad vor Fußgänger; größere Tiere haben grundsätzlich Vorrang) und jegliche Verkehrsregel missachten. Ja, ja, es gibt sie, die Regeln. Nur beachtet sie kaum jemand, denn es funktioniert auch so.
Und hier erlebten wir ein Indien ohne wesentlichen  westlichen Einfluss.
Zweiter Tag: Besichtigung der Klinik und Vorstellung der Heimleiter mit denen wir in den nächsten drei Wochen zu tun haben werden. Wie es sich am Anfang darstellt: neue Sprache, fremde Umgebung, 1000 neue Eindrücke, deshalb wurde zunächst erst einmal alles abgenickt.
Und nun begann der Alltag für uns: montags und dienstags, donnerstags und freitags Besichtigung von Heimen. Diese Heime beherbergten Kinder aus verarmten indischen Familien, Waisen oder Halbwaisen.

Das Mittagessen haben wir mit den Heimkindern gemeinsam eingenommen. Gekocht wurde in der offenen Küche, meist mit Gas, teilweise allerdings noch über offenem Feuer. Hauptgericht waren Reis, diverse Gemüsesorten, Kartoffeln, Zwiebeln und verschiedene Soßen (Curry = Soße, in Tamil),


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